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Dienstag, 1. September 2026

Die Macht der kleinen Schritte

Manchmal stehen wir vor einem Berg und sehen nur seine Höhe. Wir schauen nach oben und denken: Wie soll ich das jemals schaffen?

Ein neuer Lebensabschnitt, eine schwierige Entscheidung, ein Traum, den wir lange vergessen haben, eine Beziehung, die sich verändern soll, eine Aufgabe, die uns über den Kopf wächst oder einfach der Wunsch, dass das eigene Leben wieder ein wenig leichter wird.

Und weil der Weg so weit erscheint, bleiben wir stehen. Dabei müssen wir den ganzen Weg gar nicht kennen. Vielleicht reicht es, den nächsten kleinen Schritt zu sehen. 

Ein Schritt ist ein Anfang

Ein kleiner Schritt wirkt oft unscheinbar.

Eine aufgeräumte Schublade.
Ein ehrliches Gespräch.
Ein Spaziergang.
Ein Brief, den man endlich schreibt.
Ein „Nein“, das längst überfällig war.
Ein „Ja“, das man sich bisher nicht getraut hat.
Fünf Minuten für etwas, das einem wichtig ist.

Nichts davon sieht nach einer großen Veränderung aus. Und doch kann genau darin ihre Kraft liegen. Denn große Veränderungen entstehen selten in einem einzigen Augenblick. Sie wachsen aus vielen kleinen Entscheidungen, die sich miteinander verbinden. 

Der Garten wächst nicht auf einmal

Vielleicht ist das auch ein schönes Bild für unser Leben. Niemand pflanzt einen Samen am Morgen und erwartet am Abend einen großen Baum. Zuerst liegt da nur ein kleiner Samen in der Erde. Dann geschieht etwas, das wir kaum beobachten können. Eine Wurzel wächst. Ein zarter Trieb sucht seinen Weg nach oben. Irgendwann zeigt sich ein erstes Blatt. Und plötzlich sehen wir: Da wächst etwas.

Auch in unserem Leben gibt es solche unsichtbaren Wachstumsphasen. Wir lernen etwas. Wir überwinden eine Angst. Wir werden geduldiger. Wir beginnen, uns selbst besser zu verstehen. Wir lernen, Grenzen zu setzen. Wir wagen wieder zu träumen.

Vielleicht sieht es für andere nach wenig aus. Aber wir wissen, wie viel Kraft dieser kleine Schritt gekostet hat.

Kleine Schritte sind keine kleinen Leistungen

Wir leben in einer Welt, die gerne die großen Ergebnisse zeigt.

Den beruflichen Erfolg.
Das fertige Haus.
Die große Reise.
Die neue Beziehung.
Die erreichten Ziele.

Kaum jemand zeigt die vielen kleinen Schritte, die davor lagen.

Die Zweifel.
Die Umwege.
Die Rückschläge.
Die Tage, an denen man kaum vorangekommen ist.

Dabei gehören gerade diese Dinge zum Weg. Wer jeden Tag nur einen kleinen Schritt schafft, ist am Ende trotzdem nicht mehr dort, wo er angefangen hat. Und manchmal ist ein kleiner Schritt sogar eine große Leistung. Für einen Menschen, der gerade viel trägt, kann es ein gewaltiger Schritt sein, morgens aufzustehen und den Tag zu beginnen. Für einen anderen ist es vielleicht ein großer Schritt, nach langer Zeit wieder Vertrauen zu wagen. Wir sollten deshalb vorsichtig damit sein, die Schritte anderer Menschen zu beurteilen. Was für uns klein aussieht, kann für einen anderen Menschen riesengroß sein.

Licht für den nächsten Schritt

In der Bibel heißt es: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Psalm 119,105)

Eine Leuchte ist kein Flutlicht. Sie macht nicht den gesamten Weg bis zum Horizont sichtbar. Sie schenkt gerade genug Licht, damit wir den nächsten Schritt erkennen können.

Vielleicht ist das auch ein schönes Bild für unseren Weg mit Gott. Wir wünschen uns manchmal, genau zu wissen, wohin unser Weg führt, was hinter der nächsten Kurve liegt und wie alles ausgehen wird. Doch Gott gibt uns nicht immer den ganzen Weg zu sehen. Manchmal zeigt er uns nur den nächsten Schritt. Und vielleicht reicht genau das.

Wir müssen nicht alles verstehen, bevor wir weitergehen können. Wir müssen nicht wissen, wie der übernächste oder der hundertste Schritt aussehen wird. Wir dürfen lernen, dem Licht zu vertrauen, das uns für den nächsten Schritt geschenkt wird.

Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. (Bibel: 2. Korinther 5,7) So wird auch ein kleiner Schritt zu einem Schritt des Vertrauens: Ich sehe vielleicht noch nicht, wohin der ganze Weg führt – aber ich sehe genug, um den nächsten Schritt zu gehen.

Du musst nicht alles heute schaffen

Vielleicht machen wir uns das Leben manchmal unnötig schwer, weil wir versuchen, zu viele Schritte gleichzeitig zu gehen. Wir wollen unser ganzes Leben verändern – am besten sofort.

Gesünder leben.
Mehr Sport treiben.
Ordentlicher werden.
Mehr Zeit für andere haben.
Weniger am Handy sein.
Endlich diesen einen Traum verwirklichen.

Und dann stehen wir vor einer langen Liste und fühlen uns schon erschöpft, bevor wir überhaupt angefangen haben. Vielleicht wäre es hilfreicher zu fragen:

Was ist der nächste Schritt, den ich heute gehen kann?

Nicht morgen.
Nicht irgendwann.
Nicht der ganze Weg.

Nur der nächste Schritt.

Vielleicht sind es zehn Minuten.
Vielleicht ein Telefonat.
Vielleicht ein Spaziergang.
Vielleicht aber auch eine Pause.

Denn auch stehenzubleiben kann manchmal ein wichtiger Schritt sein, wenn wir bisher ständig das Gefühl hatten, nur zu funktionieren.

Kleine Schritte brauchen Geduld

Ein Samen wächst nicht schneller, wenn wir ständig an ihm ziehen. Und auch Menschen können ihr Wachstum nicht erzwingen. Es gibt Zeiten, in denen wir vorankommen. Und es gibt Zeiten, in denen wir scheinbar auf der Stelle treten. Doch auch das bedeutet nicht unbedingt, dass nichts geschieht. Manches wächst unter der Oberfläche. Wir verstehen heute vielleicht noch nicht, warum etwas geschehen musste. Vielleicht erkennen wir erst später, was wir aus einer schwierigen Zeit gelernt haben. Das bedeutet nicht, dass alles Schwere einen Sinn haben muss oder dass jedes Leid etwas Gutes hervorbringen wird.

Aber es bedeutet: Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Leben nicht nur aus den sichtbaren Momenten besteht.

Auch der Glaube kennt kleine Schritte

Interessanterweise finden wir auch in der Bibel viele Bilder, die nicht von spektakulären Sprüngen erzählen, sondern von Wachstum. Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einem kleinen Samenkorn, das wächst und schließlich groß wird (Markus 4,30–32). Das ist ein tröstlicher Gedanke: Das Kleine ist nicht wertlos, nur weil es klein ist. Ein Samenkorn sieht nicht nach einem Baum aus. Und ein erster Schritt sieht noch nicht nach einem neuen Leben aus. Aber beides kann ein Anfang sein.

Auch der Glaube selbst muss nicht immer mit großen Antworten beginnen. Manchmal beginnt er mit einer kleinen Frage. Mit einem Gebet. Mit einem leisen Hoffen. Mit dem Gedanken: „Vielleicht ist da doch mehr, als ich gerade sehen kann.“

Wenn der Weg gerade schwer ist

Es gibt Zeiten, da sind kleine Schritte besonders wichtig.

Wenn ein Mensch trauert.
Wenn eine Krankheit das Leben verändert.
Wenn eine Beziehung zerbricht.
Wenn ein Traum zerplatzt.
Wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Dann wäre es lieblos zu sagen: „Du musst dich einfach zusammenreißen und weitermachen.“ Manchmal besteht der nächste Schritt nicht darin, stärker zu werden. Vielleicht besteht er darin, sich helfen zu lassen. Vielleicht darin, jemanden anzurufen. Vielleicht darin, den heutigen Tag einfach nur zu überstehen. Und vielleicht darf ein Mensch auch einmal sagen: „Heute schaffe ich nicht mehr als diesen einen kleinen Schritt.“ Das darf genügen.

Die Richtung ist wichtiger als das Tempo

Wir müssen nicht mit anderen Menschen um die Wette laufen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, seine eigene Geschichte und sein eigenes Tempo. Der eine rennt. Der andere geht. Mancher muss zwischendurch sitzen und Atem holen. Und manchmal führt ein kleiner Umweg sogar zu einem Ort, den wir sonst niemals entdeckt hätten. Darum ist vielleicht nicht die wichtigste Frage: „Wie schnell komme ich voran?“ Sondern: „Gehe ich in eine Richtung, die meinem Leben guttut?“ Denn was nützt uns ein schnelles Tempo, wenn wir dabei in die falsche Richtung laufen?

Jeder neue Morgen schenkt einen neuen Anfang

Vielleicht liegt genau darin die besondere Macht der kleinen Schritte: Sie verlangen nicht, dass wir unser ganzes Leben auf einmal verändern. Sie sagen nur: Beginne dort, wo du gerade bist. Mit dem, was du hast. Mit dem, was du kannst. Mit dem kleinen bisschen Mut, das heute vorhanden ist. Vielleicht wird daraus morgen ein weiterer Schritt. Und übermorgen wieder einer. Bis wir eines Tages zurückblicken und feststellen: Ich bin tatsächlich ein ganzes Stück gegangen. Vielleicht sogar weiter, als wir damals geglaubt haben.

Ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen

Wenn dir dein Weg gerade zu lang erscheint, musst du nicht den ganzen Weg schaffen. Suche nicht nach dem größten Schritt. Suche nach dem nächstenDenn auch ein kleiner Schritt verändert deinen Standort. Und manchmal beginnt ein neuer Weg genau dort, wo ein Mensch den Mut findet, einen einzigen kleinen Schritt zu gehen.


Sonntag, 30. August 2026

Dies ist der Tag, den ...

„Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein!“ (Bibel: Psalm 118,24)

Manchmal stolpert man über einen Bibelvers und denkt spontan: „Ja, schön. Aber wie soll man das denn machen, wenn es einem gerade nicht so gut geht?“

So ging es mir bei diesem Vers: „Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat. Lasst uns jubeln und fröhlich sein.“

Jubeln? Fröhlich sein? Wenn das Leben gerade leicht ist, klingt dieser Satz wunderschön. Aber was ist, wenn man erschöpft ist? Wenn Sorgen den Kopf füllen? Wenn Krankheit einem das Leben schwer macht? Wenn eine Beziehung zerbrochen ist, man vielleicht um einen verstorbenen Menschen trauert oder einfach nicht weiß, wie man den nächsten Tag schaffen soll?

Muss man dann trotzdem fröhlich sein? Ich glaube: Nein. Zumindest nicht in dem Sinne, wie wir „fröhlich sein“ heute oft verstehen.

Ein Bibelvers ist keine Aufforderung, so zu tun, als wäre alles gut

Psalm 118 ist nämlich gar kein Psalm, der so klingt, als hätte der Verfasser niemals schwierige Zeiten erlebt. Im Gegenteil. Schon wenige Verse vorher heißt es: „Aus der Bedrängnis rief ich zum HERRN; der HERR antwortete mir und schuf mir Raum.“ (Psalm 118,5)

Da ist jemand, der Bedrängnis kennt. Jemand, der Gott um Hilfe gerufen hat. Und später heißt es sogar: „Man stieß mich hart, dass ich fallen sollte; aber der HERR half mir.“ (Psalm 118,13)

Das ist kein Leben ohne Schwierigkeiten. Der Psalm sagt nicht: „Es gibt nichts Schlimmes.“ Er sagt vielmehr: „Mitten in all dem ist Gott da.“ Und genau deshalb kann Psalm 118,24 auch für einen schweren Tag ein tröstlicher Vers sein.

Vielleicht bedeutet „freuen“ heute etwas ganz anderes

Wenn es uns schlecht geht, denken wir bei Freude vielleicht an Lachen, Leichtigkeit, gute Laune und unbeschwerte Stunden. Aber vielleicht muss Freude nicht immer so aussehen. Vielleicht kann Freude an einem schweren Tag auch bedeuten:

Ich bin heute aufgewacht.
Ich habe eine Tasse meines Lieblingstees getrunken.
Ich habe es geschafft, aufzustehen und anzufangen, obwohl mir alles zu viel war.
Jemand hat mir eine nette Nachricht geschrieben.
Die Sonne ist für einen Moment durch die Wolken gekommen.
Ich habe zehn Minuten Ruhe gehabt.
Ich konnte weinen.
Ich habe gebetet, obwohl mir keine großen Worte eingefallen sind.
Ich habe gemerkt: Ich muss diesen Tag nicht alleine tragen.

Das sind vielleicht keine spektakulären Gründe zum Jubeln. Aber manchmal sind es genau diese kleinen Dinge, durch die ein schwerer Tag ein wenig heller wird.

Nicht jeder Tag fühlt sich wie ein guter Tag an

Ich finde es wichtig, hier ehrlich zu bleiben. 
Es gibt Tage, an denen man nicht jubeln kann.
Tage, an denen man traurig ist.
Tage, an denen man Angst hat.
Tage, an denen man erschöpft ist und am liebsten einfach nur liegen bleiben möchte.
Tage, an denen man Gott vielleicht sogar fragt: „Wo bist du eigentlich?“
Die Bibel kennt solche Tage. Die Psalmen sind voller Klage, Angst, Einsamkeit und Verzweiflung. Menschen schreien zu Gott, weinen vor ihm und fragen, warum er so weit entfernt scheint. Gott verlangt von uns also nicht, dass wir unsere Gefühle vor ihm verstecken. Wir dürfen traurig sein. Wir dürfen erschöpft sein. Wir dürfen Angst haben.
Wir dürfen sogar mit Gott darüber sprechen, dass wir gerade überhaupt keine Freude empfinden. Das ist kein Versagen im Glauben.

"Dies ist der Tag" – auch wenn ich ihn mir anders gewünscht hätte

Vielleicht liegt gerade darin eine ganz andere Tiefe dieses Verses. „Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat.“ Der Vers sagt nicht: Dies ist der Tag, den ich mir ausgesucht hätte. Oder: Dies ist der Tag, an dem alles so läuft, wie ich es gerne hätte. Es heißt einfach: Dies ist der Tag.
Dieser konkrete Sonntag.
Dieser schwierige Montag.
Dieser Tag mit den Sorgen.
Dieser Tag, an dem ich mich nicht besonders stark fühle.
Dieser Tag, an dem ich zweifle.
Dieser Tag, an dem noch längst nicht alle Probleme gelöst sind.
Und auch dieser Tag steht nicht außerhalb von Gottes Gegenwart.
Das bedeutet nicht, dass Gott jedes Leid verursacht oder dass wir alles, was geschieht, einfach gutheißen müssen. Es bedeutet: Auch dieser Tag darf Gott anvertraut werden.

Vielleicht reicht heute ein kleines bisschen Freude

Manchmal machen wir uns selbst zusätzlichen Druck. Wir lesen: „Lasst uns freuen und fröhlich sein!“ und denken: „Dann muss ich jetzt wohl positiv denken.“ Aber vielleicht müssen wir gar nichts erzwingen. Vielleicht darf die Freude ganz klein anfangen. Mit einem Gedanken wie: „Gott, ich verstehe diesen Tag gerade nicht. Aber ich möchte ihn dir anvertrauen.“ Oder: „Gott, mir geht es heute nicht gut. Aber danke, dass du trotzdem da bist.“ Oder sogar nur, wenn du zweifelst: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, hilf mir durch diesen Tag.“ Vielleicht ist das für heute genug. Morgen kann wieder etwas anderes möglich sein.

Dankbarkeit bedeutet nicht, das Leid kleinzureden

Auch Dankbarkeit kann missverstanden werden. Dankbar zu sein bedeutet nicht: „Andere haben es schlimmer, deshalb darf ich mich nicht schlecht fühlen.“ Es bedeutet auch nicht: „Eigentlich ist alles wunderbar, ich muss nur positiv genug denken.“ Die Bibel kennt etwas anderes. Wir können gleichzeitig traurig und dankbar sein. Wir können weinen und trotzdem wissen, dass Gott uns nicht verlassen hat. Wir können mit einer Situation unzufrieden sein und trotzdem für einen Menschen dankbar sein. Wir können Angst vor morgen haben und trotzdem heute einen kleinen schönen Moment wahrnehmen. Das eine nimmt dem anderen nichts weg. Vielleicht ist das sogar eine der ehrlichsten Formen von Dankbarkeit: Ich leugne mein Leid nicht – und trotzdem suche ich nach dem Guten, das heute da ist.

Was wäre heute ein kleiner Grund zur Freude?

Vielleicht lohnt es sich, diesen Vers einmal ganz praktisch zu machen. Nicht: „Worüber müsste ich heute jubeln?“ Sondern: „Was ist heute trotz allem gut?“ Vielleicht ist es der erste Schluck Tee am Morgen.
Ein Spaziergang.
Ein vertrautes Lied.
Ein Gespräch mit einem lieben Menschen.
Ein Sonnenstrahl auf dem Fensterbrett.
Ein Kind, das dich zum Lachen bringt.
Ein paar Minuten, in denen niemand etwas von dir möchte.
Eine warme Mahlzeit.
Ein Gebet.
Oder einfach die Erkenntnis:
Ich muss heute nicht mein ganzes Leben lösen. Ich darf erst einmal diesen einen Tag leben.
„Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat.“
Nicht gestern.
Nicht morgen.
Heute.
Vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieses Verses. Wir Menschen leben so oft zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wir denken über das nach, was gewesen ist. Wir sorgen uns um das, was kommen könnte. Und dabei verpassen wir manchmal den einzigen Tag, den wir tatsächlich in den Händen halten: diesen hier.

Vielleicht lädt uns Psalm 118,24 deshalb nicht dazu ein, künstlich fröhlich zu sein.
Vielleicht lädt er uns dazu ein, diesen Tag nicht aufzugeben.
Ihn Gott hinzulegen.
Mit allem, was dazugehört.
Mit der Freude.
Mit der Traurigkeit.
Mit den offenen Fragen.
Mit der Müdigkeit.
Mit den kleinen schönen Momenten.
Und vielleicht dürfen wir dann entdecken, dass Freude manchmal nicht wie ein großes Feuerwerk aussieht.
Manchmal ist sie nur ein kleines Licht.

Ein stilles: „Danke, Gott, dass du heute bei mir bist.“ Und manchmal ist genau das genug für heute.

Wenn dir heute nicht nach Jubeln zumute ist, musst du dich nicht dazu zwingen. Vielleicht nimm diesen Vers einfach mit durch deinen Tag: „Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat.“ Und dann schau dich einmal um.
Was ist heute trotz allem da?
Was darfst du heute genießen?
Wofür kannst du Gott danken?
Und was möchtest du ihm heute einfach überlassen?
Vielleicht musst du heute nicht fröhlich sein.
Vielleicht darfst du einfach mit Gott durch diesen Tag gehen.
Und vielleicht wächst daraus irgendwann, ganz leise, wieder ein kleines bisschen Freude. Nicht weil plötzlich alles gut geworden ist, sondern weil du mitten in dem, was schwer ist, entdeckst: Gott ist auch heute da – und es gibt auch kleine Freuden, für die du dankbar sein kannst.

Und vielleicht, ganz vielleicht ist Psalm 118,24 gar nicht die Aufforderung, jeden Tag überschwänglich fröhlich zu sein. Vielleicht ist er vielmehr eine Einladung, mitten in unserem ganz normalen – und manchmal schweren – Alltag wahrzunehmen, was Gott uns heute schenkt, und uns auch über die kleinen Dinge zu freuen.


Freitag, 28. August 2026

Frieden beginnt oft im Kleinen

„Haltet Frieden untereinander.“
(Bibel: 1. Thessalonicher 5,13)

Frieden – ein großes Wort für etwas, das oft ganz klein beginnt.

Ein freundlicher Satz statt einer scharfen Antwort. Ein Moment des Zuhörens, obwohl man selbst gerade viel sagen möchte. Die Entscheidung, einen Streit nicht weiter anzuheizen.
Oder der Mut, nach einem Konflikt den ersten Schritt auf den anderen zuzugehen.

Wir wünschen uns Frieden in der Welt, in unseren Familien und in unseren Beziehungen. Doch manchmal vergessen wir, dass Frieden auch dort entsteht, wo zwei Menschen einander begegnen.

Frieden bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein

„Haltet Frieden untereinander“ bedeutet nicht, dass wir immer harmonisch miteinander auskommen müssen. Menschen sind verschieden. Wir haben unterschiedliche Vorstellungen, Bedürfnisse und Meinungen. Wir werden einander missverstehen und manchmal auch verletzen.

Frieden bedeutet deshalb nicht, dass es niemals Konflikte gibt. Frieden bedeutet vielmehr, wie wir mit unseren Konflikten umgehen.

Muss ich unbedingt Recht behalten?
Muss ich das letzte Wort haben?
Muss ich zurückgeben, was mir angetan wurde?

Oder kann ich manchmal sagen: "Wir sehen die Dinge unterschiedlich – und trotzdem möchte ich dir mit Respekt begegnen."

Das ist nicht immer einfach. Gerade dann nicht, wenn die eigenen Gefühle verletzt wurden.

Manchmal ist Frieden eine Entscheidung

Es gibt Situationen, in denen Frieden nicht einfach von selbst entsteht. Man muss sich bewusst dafür entscheiden.

Nicht jede Diskussion muss gewonnen werden.
Nicht jeder Streit muss weitergeführt werden.
Nicht jede verletzende Bemerkung braucht eine ebenso verletzende Antwort.

Manchmal ist es friedlicher, kurz innezuhalten, bevor man antwortet. Vielleicht braucht es ein ehrliches Gespräch, vielleicht eine Entschuldigung, vielleicht auch etwas Abstand.

Und manchmal bedeutet Frieden sogar, eine Grenze zu setzen. Denn Frieden ist nicht dasselbe wie alles hinzunehmen. Wer Frieden möchte, muss nicht zulassen, dass andere ihn ständig verletzen.

Frieden beginnt bei mir

Wir können andere Menschen nicht dazu zwingen, friedlich zu sein. Wir können nicht bestimmen, wie unser Gegenüber reagiert, ob es uns versteht oder ob es bereit ist, einen Streit beizulegen. Aber wir können unseren eigenen Teil betrachten.

Wie spreche ich mit anderen?
Wie gehe ich mit Enttäuschungen um?
Wie schnell werde ich wütend?
Kann ich vergeben?
Kann ich zuhören, ohne sofort zu antworten?

Vielleicht beginnt Frieden genau dort: bei dem, was man selbst in eine Beziehung hineinbringt. Ein Mensch, der ruhig und respektvoll reagiert, kann manchmal mehr verändern als hundert Argumente.

Und was ist, wenn Frieden nicht möglich ist?

Es gibt Beziehungen, in denen Frieden sehr schwer geworden ist. Manchmal hat sich zu viel angesammelt. Manchmal fehlt die Bereitschaft auf einer oder sogar auf beiden Seiten. Dann dürfen wir auch anerkennen, dass wir Frieden nicht erzwingen können.

Der biblische Gedanke fordert uns nicht dazu auf, jede Beziehung um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Vielmehr geht es darum, unsererseits das zu tun, was zum Frieden beiträgt.

Paulus schreibt an anderer Stelle:

„Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“
(Bibel: Römer 12,18)

Dieses „soviel an euch liegt“ finde ich bemerkenswert. Es erinnert uns daran: Ich bin für meinen Teil verantwortlich – aber nicht für den Teil des anderen.

Ich kann freundlich sein.
Ich kann mich entschuldigen.
Ich kann vergeben.
Ich kann zuhören.
Ich kann auf Rache verzichten.

Aber ich kann nicht erzwingen, dass der andere dasselbe tut.

Ein bisschen mehr Frieden

Vielleicht müssen wir gar nicht darauf warten, dass irgendwo auf der Welt der große Frieden beginnt. Vielleicht können wir heute damit anfangen. 

Mit einem Menschen, mit dem wir schon lange nicht mehr gesprochen haben.
Mit einem Satz, den wir normalerweise schärfer formulieren würden.
Mit einem Streit, den wir nicht weitertragen.
Mit einem Menschen, dessen Meinung wir nicht teilen und den wir trotzdem respektieren.

„Haltet Frieden untereinander.“

Vielleicht ist das weniger eine Forderung nach einer perfekten Welt als eine Einladung, jeden Tag ein kleines Stück Frieden entstehen zu lassen. Denn manchmal beginnt Frieden nicht mit großen Worten, sondern mit einem Menschen, der sich entscheidet, den Streit nicht weiterzuführen. Und vielleicht mit einem anderen, der den Mut findet, den ersten Schritt in die richtige Richtung zu tun.


Samstag, 15. August 2026

Dienstag, 28. Juli 2026

Freut euch mit ...

Freut euch mit den Fröhlichen
und weint mit den Weinenden.

(Bibel: Römer 12,15)


Gott ist nicht ...

Gott ist nicht 
ein Gott der Unordnung, 
sondern des Friedens.

(Bibel: 1. Korinther 14,33)


Wer das Urteil der Menschen fürchtet ...

Wer das Urteil der Menschen fürchtet,
gerät in ihre Abhängigkeit,
wer Gott vertraut,
ist gelassen und sicher.

(Bibel: Sprüche 29,25 Hfa)


Donnerstag, 21. Mai 2026

Mittwoch, 6. Mai 2026

Sonntag, 12. April 2026

Wer mit Weisen geht, wird ...

Wer mit Weisen geht, wird weise.
Wer sich mit Toren einlässt,
dem ergeht es schlecht.
Die Wahl deiner Begleitung
bestimmt deinen Weg.

(nach Bibel-Sprüche 13,20)


Wo Neid und ...

Wo Neid und Streit ist,
da sind Unordnung
und lauter böse Dinge.

(Bibel: Jakobus 3,16)


Donnerstag, 2. April 2026

Dienstag, 24. März 2026

Die Erkenntnis ...

Die Erkenntnis bläht auf,
die Liebe aber erbaut.

(Bibel: 1. Korinther 8,1)


Sei nicht ...

Sei nicht überfromm
und gebärde dich nicht gar zu weise;
warum willst du dich zugrunde richten?

(Bibel: Prediger 7,17)


Montag, 16. März 2026