Neulich war ich im Edeka und stand vor dem Brötchenregal. Eigentlich nichts Besonderes. Ich wollte einfach ein paar leckere Kartoffelbrötchen für den Nachmittag kaufen. Doch dann fiel mein Blick auf das Schild:
„Potatoe Hell“
Ich stutzte.
Potatoe … was?
Mein erster Gedanke war tatsächlich:
„Echt jetzt? Muss man einem ganz normalen Kartoffelbrötchen wirklich den Namen ‚Kartoffelhölle‘ geben?“
Ich gebe zu: Ich fand das ziemlich unglücklich.
Kartoffelhölle!
Ich war kurz entsetzt.
Dann entdeckte ich, dass die anderen Brötchen ebenfalls englische Bezeichnungen trugen. Und bei einigen stand dahinter "Dunkel". Nun war die Sache klar: „Hell“ war hier natürlich nicht als englisches hell gemeint, sondern als deutsches hell. Es ging also um ein helles Kartoffelbrötchen. Mein kleiner gedanklicher Ausflug in die Kartoffelhölle war damit beendet.
Wenn zwei Sprachen plötzlich etwas ganz anderes erzählen
Eigentlich ist das eine Kleinigkeit. Ein winziger Moment beim Brötchenkauf. Aber ich fand ihn erstaunlich interessant. Denn er zeigt, wie sehr Sprache davon lebt, dass wir einen gemeinsamen Zusammenhang haben. Das Problem war gar nicht das Wort „Potatoe“. Und auch das Wort „hell“ war für sich genommen völlig in Ordnung. Das Problem entstand erst durch die Mischung.
Mein Gehirn las:
Potatoe + Hell = Englisch + Englisch
und machte daraus automatisch:
Kartoffel + Hölle.
Dabei war eigentlich gemeint:
Potatoe + hell = Englisch + Deutsch.
Nur hatte mir niemand verraten, dass ich plötzlich die Sprache wechseln sollte. Und genau da wird es interessant.
Sprache soll verbinden – nicht Rätsel aufgeben
Natürlich ist es überhaupt nichts Schlechtes, verschiedene Sprachen miteinander zu verbinden. Wir tun das ständig. Wir sprechen von Homeoffice, Smartphone, Meeting, Online-Shop, Download oder vielleicht auch von einem Coffee-to-go. Viele englische Begriffe sind längst Teil unserer Alltagssprache geworden. Aber manchmal entsteht durch das Mischen verschiedener Sprachen eine absurde Situation. Vor allem dann, wenn ein Wort in der einen Sprache etwas völlig anderes bedeutet als in der anderen.
Dann kann aus einer einfachen Information plötzlich eine großes Fragezeichen entstehen.
Ganz sicher wäre an dieser Stelle „Kartoffelbrötchen hell“ verständlicher gewesen. Denn Sprache muss nicht möglichst modern, international oder besonders cool klingen. Sie darf vor allem eines sein: verständlich!
Das Schild im Edeka führte bei mir eher zu einem kleinen gedanklichen Kurzschluss.
Manchmal ist weniger tatsächlich mehr
Vielleicht ist das auch eine kleine Erinnerung für unseren eigenen Umgang mit Sprache. Wir versuchen manchmal, Dinge besonders modern, international oder außergewöhnlich wirken zu lassen. Wir mischen Begriffe, verwenden Fremdwörter und suchen nach Formulierungen, die besonders interessant klingen. Dabei verlieren wir manchmal das Wesentliche aus dem Blick:
Versteht mein Gegenüber eigentlich noch, was ich sagen möchte?
Denn Sprache ist kein Wettbewerb darum, möglichst viele Fremdwörter unterzubringen. Sie ist ein Werkzeug. Und ein gutes Werkzeug erkennt man nicht daran, wie kompliziert es aussieht, sondern daran, wie gut es funktioniert. Manchmal ist ein schlichtes deutsches Wort deshalb viel besser als eine schicke Mischung aus Deutsch und Englisch.
Und manchmal sorgt eine solche Mischung wenigstens für einen herzhaften Lacher zwischen den Brötchenregalen.
Und so wurde aus einem Brötchen eine kleine Lektion
Ich habe jedenfalls an diesem Tag etwas gelernt, nicht über Kartoffelbrötchen und auch nicht über Englisch. Sondern darüber, wie schnell Sprache ihre Richtung verändern kann, wenn wir vergessen, dass unser Gegenüber nicht automatisch dieselbe sprachliche Abzweigung nimmt wie wir. Für Edeka war es vermutlich einfach ein helles Kartoffelbrötchen.
Für mein Gehirn war es ein kurzer Besuch in der Kartoffelhölle. Die Hitze an diesem Tag tat wohl ihr Übriges dazu.
Nicht alles, was besonders modern oder ausgefallen klingt, ist auch besonders verständlich.
Manchmal braucht es gar keine komplizierten Worte, keine fremden Begriffe und keine ausgefallenen Formulierungen. Manchmal reicht ein einfaches, klares Wort. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst besonders zu klingen. Es geht darum, verstanden zu werden.
Was wirklich wichtig ist, darf einfach gesagt werden.
