Samstag, 7. Februar 2026

Einfachheit – Was sagt eigentlich die Bibel dazu

Wenn von der Bibel die Rede ist, denken viele zuerst an Gebote, Moral oder komplizierte Glaubensfragen. Das Thema Einfachheit würde man dort vermutlich nicht als Erstes vermuten. Und tatsächlich taucht das Wort selbst kaum auf. Umso erstaunlicher ist es, wie häufig die Bibel von einer Lebenshaltung spricht, die genau das meint: weniger Zerrissenheit, weniger Überforderung, weniger inneren Lärm.

In der Bibel geht es bei Einfachheit nicht darum, möglichst wenig zu besitzen oder asketisch zu leben. Gemeint ist etwas Grundsätzlicheres: eine innere Klarheit, die dem Leben Richtung gibt.

Ein Herz, eine Richtung

Jesus bringt diesen Gedanken in einem Satz auf den Punkt:

„Niemand kann zwei Herren dienen.“
(Matthäus 6,24)

Das klingt zunächst streng, meint aber etwas sehr Menschliches. Wer gleichzeitig gegensätzlichen Zielen folgt, wird innerlich zerrieben. Geteilte Loyalität führt zu innerer Spaltung. Vertrauen und ständige Absicherung, Gelassenheit und Kontrolle, Freiheit und Angst lassen sich nicht dauerhaft miteinander vereinbaren. 

Einfachheit bedeutet hier: sich nicht dauernd innerlich zu zerlegen. Nicht alles gleichzeitig wollen müssen. Eine klare Richtung finden – auch wenn sie nicht perfekt ist.

Weniger Sorgen, mehr Vertrauen

In der sogenannten Bergpredigt spricht Jesus über etwas, das wohl jeder kennt: Sorgen um das tägliche Leben.

Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?“
(Matthäus 6,26)

Diese Worte wollen nicht sagen, dass Sorgen verboten oder unnötig seien. Sie laden vielmehr dazu ein, den Blick zu verändern. Statt ständig vorauszuplanen, abzusichern und mögliche Katastrophen durchzuspielen, lenken sie die Aufmerksamkeit auf das, was jetzt da ist.

Einfachheit zeigt sich hier als Bereitschaft, nicht jede Unsicherheit sofort aufzulösen – und dem Leben ein Stück Vertrauen entgegenzubringen.

Lass nicht die Angst, die Sorge und das ständige Abwägen dein Leben dominieren. Einfachheit bedeutet hier, dass man Vorsorge trifft, aber nicht aus Angst, sondern aus einem ruhigen, klaren Blick auf das, was wirklich nötig ist. Man plant, aber man wird nicht innerlich zerrieben von „Was, wenn…?“

Wann ist genug eigentlich genug?

Der Apostel Paulus, der viele Briefe im Neuen Testament geschrieben hat, formuliert es sehr schlicht:

„Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen.“
(1. Timotheus 6,8)

Das wirkt heute fast provokant. Denn vieles in unserer Gesellschaft lebt davon, dass „genug“ nie erreicht ist. Immer fehlt noch etwas: mehr Sicherheit, mehr Besitz, mehr Anerkennung.

Die biblische Idee von Einfachheit fragt dagegen: Was brauche ich wirklich? Und was hält mich nur beschäftigt?
Nicht Verzicht steht im Mittelpunkt, sondern Freiheit – die Freiheit, nicht von äußeren Dingen oder innerem Mangelgefühl bestimmt zu werden.

Klarheit im Umgang miteinander

Einfachheit beschränkt sich in der Bibel nicht auf das eigene Innenleben oder persönliche Überzeugungen. Sie zeigt sich ganz konkret im Umgang mit anderen Menschen – besonders darin, wie wir sprechen und was wir mit unseren Worten transportieren.

Jesus formuliert es erstaunlich schlicht:

„Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein.“
(Matthäus 5,37)

Auf den ersten Blick wirkt dieser Satz fast banal. Doch gemeint ist weit mehr als nur kurze Antworten. Es geht um eine Haltung der Aufrichtigkeit. Um Worte, die das ausdrücken, was wirklich gemeint ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

In vielen Gesprächen sagen wir etwas anderes als das, was wir fühlen. Wir verpacken unsere Aussagen, lassen Hintertüren offen, formulieren aus Angst vor Konflikten oder Zustimmung. Genau hier setzt die biblische Idee von Einfachheit an: Sie lädt dazu ein, auf Spielchen, doppelte Botschaften und unnötige Umwege zu verzichten.

Dabei geht es nicht um Härte oder Rücksichtslosigkeit. Ein klares „Nein“ kann liebevoller sein als ein ausweichendes „Vielleicht“. Und ein ehrliches „Ja“ schafft mehr Vertrauen als jede wohlklingende Erklärung. Einfachheit in der Sprache bedeutet, Verantwortung für das eigene Wort zu übernehmen.

So verstanden ist Klarheit kein Angriff, sondern ein Dienst an der Beziehung. Sie schafft Verlässlichkeit, reduziert Missverständnisse und macht Begegnung möglich, ohne dass man sich hinter Worten verstecken muss.

Einfachheit zeigt sich hier als Echtheit – als Mut, sich zu zeigen, wie man ist, und anderen mit offenen, klaren Worten zu begegnen.

Das Wesentliche auf den Punkt gebracht

Auf die Frage, was im Leben wirklich zählt, antwortet Jesus nicht mit Regeln oder Systemen, sondern mit einer überraschend knappen Zusammenfassung:

„Du sollst Gott lieben … und deinen Nächsten wie dich selbst.“
(Markus 12,30–31)

Mehr nicht, keine Ergänzungen, keine Fußnoten.

Vielleicht liegt gerade darin die biblische Sicht auf Einfachheit: Das Wesentliche ist nicht kompliziert, aber es fordert uns heraus – jeden Tag neu.

Eine Einladung, kein Anspruch

Biblische Einfachheit ist keine Forderung, der man gerecht werden muss. Sie ist eine Einladung, das Leben zu entlasten. Weniger Angst, weniger Festhalten, weniger Nebensächliches – damit Raum entsteht für Vertrauen, Gegenwart und Verbundenheit.

Vielleicht beginnt Einfachheit nicht mit großen Entscheidungen, sondern mit einem kleinen Schritt: heute etwas weniger zu wollen, heute etwas mehr dazusein.