Montag, 2. Februar 2026

Einfachheit – Das leise Geheimnis des Wesentlichen

„Einfachheit ist nicht der Mangel an Möglichkeiten, sondern die Kunst, sich nicht in ihnen zu verlieren.“

Es gibt Themen, die kommen nicht laut daher. Sie drängen sich nicht auf, sie fordern keinen Applaus. Sie stehen nicht im Rampenlicht, sondern warten geduldig am Rand – bis wir müde genug sind vom Zuviel. Einfachheit ist eines dieser Themen.

Oft verwechseln wir Einfachheit mit Verzicht. Mit weniger Besitz, weniger Terminen, weniger Worten. Doch Einfachheit ist kein kahler Raum, aus dem alles Leben verbannt wurde. Sie ist vielmehr ein Raum, in dem endlich wieder Platz ist. Platz zum Atmen. Platz zum Spüren. Platz für das, was bleiben will.

Unsere Welt liebt die Komplexität. Sie liebt Pläne, Strategien, Optionen, Abwägungen. Sie liebt das Immer-mehr und das Immer-noch-ein-bisschen-besser. Und irgendwann merken wir: Wir sind umgeben von Möglichkeiten – und gleichzeitig innerlich erschöpft. Nicht, weil wir zu wenig hätten. Sondern weil wir zu viel tragen.

Einfachheit beginnt selten außen. Sie beginnt innen.

Sie beginnt mit der stillen Frage: Was davon ist wirklich meins? Welche Gedanken, Erwartungen, Verpflichtungen habe ich übernommen, ohne sie je bewusst zu wählen? Welche Sorgen schleppe ich mit mir herum, obwohl sie längst nicht mehr zu meinem heutigen Leben gehören?

Ein einfaches Leben ist kein kleines Leben. Es ist ein klares.

Einfachheit bedeutet, Entscheidungen nicht ständig aufzuschieben, nur um sich alle Türen offenzuhalten. Denn offene Türen können auch Zugluft erzeugen. Manchmal ist es heilsam, eine Tür bewusst zu schließen – nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen.

Auch unsere Sprache sehnt sich nach Einfachheit. Wie oft reden wir um das Wesentliche herum, aus Höflichkeit, aus Unsicherheit, aus Angst vor Klarheit. Doch einfache Worte sind nicht grob. Sie sind ehrlich. Und Ehrlichkeit hat etwas Beruhigendes. Sie muss nichts beweisen.

Einfachheit zeigt sich im Alltag oft in unscheinbaren Momenten: in einer Mahlzeit ohne Ablenkung, in einem Spaziergang ohne Ziel, in einem Gespräch, das nicht beeindrucken will. Sie zeigt sich dort, wo wir aufhören, etwas darstellen zu müssen.

Vielleicht ist Einfachheit auch eine Form von Mut. Der Mut, nicht alles auszuschöpfen, was möglich wäre. Der Mut, dem Leben zu vertrauen, selbst wenn man nicht jeden Schritt vorausplant. Der Mut, sich mit dem Guten zufriedenzugeben, statt dem Perfekten hinterherzujagen.

Im Phantasie-Garten hat Einfachheit ihren festen Platz. Sie ist der unauffällige Boden, auf dem alles andere wachsen kann. Ohne sie wird selbst das Schönste unübersichtlich. Mit ihr bekommt selbst das Kleine Bedeutung.

Vielleicht liegt das Geheimnis der Einfachheit nicht darin, immer weiter zu reduzieren. Sondern darin, wieder zu erkennen, wann genug genug ist.

Und vielleicht ist genau das der Anfang von etwas sehr Reichhaltigem.

In den kommenden Tagen und Wochen wird es hier im Phantasie-Garten immer wieder neue Gedanken, Texte und kleine Betrachtungen zum Thema Einfachheit geben. Mal leise, mal konkret, mal fragend – als Einladung, diesem stillen Geheimnis Schritt für Schritt näherzukommen.