Einfachheit zeigt sich nicht nur darin, Dinge zu reduzieren oder Abläufe zu vereinfachen. Sie beginnt tiefer – als innere Haltung. Als leises Einverständnis damit, dass nicht alles sofort verstanden, benannt oder eingeordnet werden muss. In einer Welt, die nach schnellen Antworten verlangt, wirkt dieses Vertrauen fast wie ein kleiner Akt des Widerstands. Und doch ist es genau dort, wo Einfachheit spürbar wird: im Mut, eine Frage stehen zu lassen, ohne sie gleich zu zerlegen.
Nicht jede Unklarheit ist ein Mangel. Manches entfaltet seine Bedeutung erst, wenn wir aufhören, es festhalten zu wollen. Wer alles erklärt, nimmt dem Leben oft die Möglichkeit, selbst zu sprechen. Vertrauen heißt dann nicht, passiv zu werden, sondern aufmerksam zu bleiben – offen für das, was sich zeigen möchte, wenn wir nicht drängen. In dieser Offenheit liegt eine stille Entlastung: Wir müssen nicht ständig klüger sein als der Moment.
Vielleicht ist Einfachheit genau das: der Entschluss, dem Unfertigen Raum zu geben. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Lass heute etwas offen. Nur für diesen einen Tag. Vielleicht zeigt sich darin mehr Klarheit, als jede Erklärung es je könnte.