Was nährt die Seele?
„Alle Arbeit des Menschen ist für seinen Mund; die
Seele aber wird nicht gesättigt.“
(Bibel – Prediger 6,7)
Wir schuften, planen, organisieren. Wir ackern für ein besseres
Leben, für ein volles Konto, für volle Teller. Und das ist
verständlich – schließlich braucht der Mensch Nahrung, ein Dach
über dem Kopf, ein gewisses Maß an Sicherheit. Doch bei all dem Tun
fragt sich manchmal ganz leise etwas in uns:
„Und was
ist mit mir? Mit dem inneren Teil von mir, der manchmal müde ist,
obwohl ich ausgeschlafen habe?“
Der biblische Vers bringt genau diesen Widerspruch auf den Punkt: Wir arbeiten für den „Mund“, also für das, was unseren Körper nährt – aber die Seele bleibt oft hungrig.
Wann spüren wir diesen Hunger?
Vielleicht in Momenten der Stille.
Vielleicht an einem
Sonntagabend, wenn das Wochenende vorüber ist und nichts als der
nächste Montag winkt.
Oder wenn wir etwas erreicht haben – eine
neue Wohnung, eine Gehaltserhöhung, ein erfolgreich abgeschlossenes
Projekt – und sich trotzdem kein echtes Gefühl von Erfüllung
einstellen will.
In solchen Momenten scheint sich die Seele zu melden. Nicht laut.
Eher wie ein leiser Ruf, der fragt:
„War das schon
alles?“
Was nährt uns wirklich?
In alten Texten – unter anderem in der Bibel – finden sich
erstaunlich zeitlose Gedanken über diese innere Leere. Dort wird zum
Beispiel erzählt, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern
auch von „jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“. (Matthäus
4,4)
Das mag erst einmal poetisch oder rätselhaft klingen. Doch
vielleicht meint es: Es gibt eine andere Art von Nahrung –
für den inneren Menschen.
Und genau darauf zielt auch ein anderer Vers, der mir besonders ins Auge gefallen ist. Dort heißt es:
„Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“
(Matthäus 5,6)
Es ist ein Hunger, der tiefer geht als der nach Essen: der Wunsch,
dass etwas stimmt im Leben. Dass unser Tun Sinn
ergibt, dass es Fairness gibt, Liebe, Wahrheit.
Und vielleicht ist
das der eigentliche Hunger der Seele – nicht nur satt zu
werden, sondern richtig zu leben.
Ein stiller Impuls
Dieser Blog will niemanden überreden, niemanden bekehren, niemandem die Welt erklären. Aber vielleicht darf er ein kleiner Garten sein, in dem Gedanken wachsen dürfen – auch solche, die wir noch nicht ganz verstehen.
Vielleicht ist der Satz aus Prediger 6,7 eine Einladung, ab und zu innezuhalten und sich zu fragen:
Womit füttere ich meinen Körper – und womit meine Seele?
Und was würde mich tief innen wirklich satt machen?
Manche finden ihre Antwort in Büchern. Andere in einem Gebet. Wieder andere in einer stillen Ahnung, dass da mehr ist, als wir sehen.
Und wer weiß – vielleicht ist diese Ahnung ja der Anfang von etwas ganz Neuem.
