Gedichte, Sprüche und Favoriten von I. Kunath

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Freitag, 19. September 2014

Gleichnis

(Ilse Franke-Oehl)


Das wilde Feuer hat mein Herz gebrannt,
mich trieb der Sturm zu lieben und zu hassen.
Der Staub der Gassen streifte mein Gewand.
Nun bin ich arm und von mir selbst verlassen.

Nun bin ich so, wie Gott mich haben will;
ich darf zu ihm die scheuen Augen heben,
denn meine Seele wurde klar und still,
und jenseits braust der trübe Strom - das Leben.

Ich liebe mich und euer Blut nicht mehr,
ich liebe Gott in allen seinen Wesen.
Das Buch der Welt ist ihren Kindern schwer,
doch mich ließ Gott die tiefen Zeichen lesen.

Ich bin erlöst von meiner Einsamkeit,
und muss mit jedem Hauch euch alle segnen.
Mein heil'ger Berg steigt fern von Lust und Leid.
Doch bitt' ich Gott: lass Einen mir begegnen,

der meiner Seele innigst sich gesellt,
der bei mir bleibt, wenn alle mich verlassen.
Ich bin dein Kind und auch ein Kind der Welt
und muss dich noch in einem Gleichnis fassen.

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